John Kay (Steppenwolf) – An Intimate Acoustic Evening With John

21. Mai 2022, 20:00 Uhr
Bachkirche Arnstadt - (An der Neuen Kirche 1)

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John Kay, der legendäre Steppenwolf-Sänger kommt nach 15 Jahren das allererste Mal wieder nach Europa, für nur ein einziges Konzert. Dass dieses eine Konzert nicht wie eigentlich angemessen in einer der großen Metropolen wie London, Paris oder Berlin stattfindet, sondern mitten in der thüringischen Provinz, im beschaulichen Arnstadt und noch dazu in so kleinem Rahmen in der Bachkirche, darf man getrost als Sensation bezeichnen. Dass Kay Arnstadt als Auftrittsort bewusst ausgewählt hat, erschließt sich beim Blick in seine Biografie.

In den Kriegswirren des Jahres 1944 bestieg in Tilsit, Ostpreußen auf der Flucht vor der Roten Armee eine Mutter mit ihrem kleinen Baby einen Zug nach Westen. Dieser Zug blieb in Arnstadt mit Lokomotivschaden stecken und Mutter Elsbeth Krauledat stieg mit dem kleinen Joachim Fritz aus. Beide fanden Unterschlupf bei einer hilfsbereiten Familie Kranz, die an der Oberen Weiße eine Gerberei betrieb.

Photo by Elsbeth Krauledat

Im Laufe der Jahre stellte sich heraus, dass Joachim an einer Augenkrankheit litt, weshalb er auf dem Foto auch eine Sonnenbrille trägt. Weil es in der damaligen Ostzone keine Medikamente dagegen gab, empfahlen Ärzte der Mutter, Hilfe in Westdeutschland zu suchen. Den Ratschlag nahm die kleine Familie an und floh mit Hilfe von Fluchthelfern nach Hannover. Der mittlerweile 5 Jahre alte Junge trug dabei einen Rucksack und fürchtete sich in der Dunkelheit. Noch heute erinnert er sich genau, wie ein Fluchthelfer sagte: „Halt den Kopf runter, sonst schießen sie!“. In Hannover hörte Joachim regelmäßig den amerikanischen Soldatensender AFN und entwickelte seine Vorliebe für Rock’n’Roll und Blues.

1958 wanderte die Familie nach Toronto in Kanada aus. Dort tauchte der Teenager sofort in die innovative R&B-, Country- und Gospelscene ein. Relativ schnell nannte er sich John, weil sein Sportlehrer den Namen Joachim nicht aussprechen konnte. Aus dem gleichen Grund wählte er auch den Nachnamen Kay. Er erlangte mit seiner ersten Band The Sparrow lokale Bekanntheit und wechselte nach Kalifornien. Hier gründete er mit ehemaligen Sparrow-Mitgliedern 1967 die Band Steppenwolf, benannt nach Hermann Hesses gleichnamigem Kult-Roman. In nur vier Tagen wurde 1968 das Debüt-Album Steppenwolf aufgenommen. Darauf war neben „The pusher“ auch der Song „Born To Be Wild“ enthalten, der ein Jahr später durch den bahnbrechenden Dennis-Hopper-Film »Easy Rider« zur unsterblichen Biker-Hymne und zum Welthit wurde. Weitere erfolgreiche Alben folgten, in denen Kay mehr als eindeutig Stellung zur Nixon-Ära und zum Vietnam-Krieg bezog. Steppenwolf-Hymnen bildeten den Soundtrack einer ganzen Generation. Kay war ganz oben angekommen im Rockolymp.

Endlose Tourneen und ein zerstörerischer von Drogen geprägter Lebenswandel führten Mitte der Siebziger zum Zerfall von Steppenwolf. Kay begann danach eine Solokarriere. Mehrere ehemalige Bandkollegen versuchten, mit dem Namen Steppenwolf und John-Kay-Doubles von den großen Erfolgen zu profitieren. Zwischenzeitlich soll es sieben verschiedene Steppenwolf-Klone gleichzeitig gegeben haben, die parallel durch Kneipen und immer kleinere Bars tourten.

Erst 1980 sicherte sich gerichtlich seinen Bandnamen und tritt seitdem als John Kay & Steppenwolf auf. Er musste ganz von vorn anfangen, um den ruinierten Steppenwolf-Namen zu rehabilitieren. Und wieder gelang es. Erst nur noch in kleinen Klubs unterwegs, füllten sich Mitte der 80er wieder die großen Konzerthallen. 2018 gaben John Kay & Steppenwolf ihr letztes Konzert. „Nach 50 Jahren könne man sich guten Gewissens zurückziehen“ so Kay. Seitdem tritt er regelmäßig als Solo-Act auf.

Photo by Jutta Maue-Kay

2004 gründete der Musiker mit seiner Frau die Maue-Kay-Stiftung, die sich für bedrohtes Leben und Menschenrechte einsetzt. In Kambodscha unterstützen sie die Gründung von Schulen, um die anhaltenden Folgen des Regimes der Roten Khmer zu mildern. In Tansania helfen sie, verwahrlosten Kindern eine gute Ausbildung zu sichern. Im Kenia finanzieren sie eine Station für Elefantenbabys, die durch Elfenbeinjäger früh ihre Familie verloren haben. Und mitten in den USA gibt es in den Wäldern von Tennessee ein Schutzgebiet für ehemalige Zoo- und Zirkus-Elefanten, die sich in Freiheit von ihren Qualen erholen können.

Neben seinen Songs wird John Kay also auch ganz viel zu erzählen haben in der Bachkirche. Seine Moderation wird zum Teil in seiner Muttersprache, also in Deutsch erfolgen. Ein Arte-Team wird in Kooperation mit dem MDR das Konzert filmen. Die Tickets für das Konzert haben wir nach ganz Europa versandt. Wir freuen uns.